Anwendungshinweise für wasserverdünnbare Anstrichmittel

Anwendungshinweise für wasser-verdünnbare Anstrichmittel

Wasserverdünnbare Anstrichmittel erfordern ein Umdenken und Umlernen der Verwender, die bisher konventionelle Lösungsmittelllacke gewohnt waren. Zahlreiche Lackhersteller haben schon vor mehr als 20 Jahren mit der Entwicklung von Wasserlacken begonnen und ihre Produkte inzwischen durch intensive Forschung ständig verbessert. In vielen Fällen entspricht die Qualität von Wasserlacken der von konventionellen Zubereitungen oder übertrifft sie in bestimmten Eigenschaften sogar. In der Folge werden einige Punkte genannt, die allgemein zu beachten sind:

I. Untergrundvorbehandlung

Bei wasserverdünnbaren Anstrichmitteln ist der Untergrundvorbehandlung besondere Aufmerksamkeit zu schenken, da sie Fehler weniger verzeihen als konventionelle.
Stark saugende Silikatuntergründe (Putze, Beton etc.) im Außenbereich müssen zunächst gereinigt (von Staub und Schmutz, insbesondere von Ruß) befreit werden, am besten mittels eines Hochdruckreinigers. Im Innenbereich wird in der Regel ein Abwischen /z.B. mit einem feuchten Schwammtuch) ausreichen, nachdem alte Tapetenreste entfernt und Risse und Unebenheiten verspachtelt wurden. Kreidende und sandende Putze sind wie im Außenbereich mit einem Primer zu verfestigen.
Estriche, die begehbar gestrichen werden sollen, müssen ebenfalls gründlich gereinigt und mit einem Primer verwehen werden. Insbesondere ist darauf zu achten, dass keine Öl- oder Fettreste verbleiben. Diese würden dem Wasserlack keine Haftung ermöglichen und müssen daher mit Fettlösern entfernt werden.
Für Garagenböden sind Wasserlacke nur bedingt geeignet. Auch in anderen Bereichen ist zu überlegen, ob nicht 2K-Lacke auf Basis von Reaktivlösungsmitteln (die im Sinne der LMVO nicht zu den organischen Lösungsmitteln zählen und somit keinen Begrenzungen unterliegen) vorzuziehen sind. Auch auf Wasserbasis gibt es geeignete 2K-Epoxi-Beschichtungen.
Holzuntergründe sind vor dem Streichen im Außenbereich zu reinigen und zu imprägnieren, im Innenbereich zu reinigen, in beiden Bereichen im Bedarfsfall zu schleifen. Alte Lösungsmittelanstriche müssen bei einem Neuanstrich mit Wasserlack zuvor ab- oder mindestens angeschliffen (aufgerauht) werden. Lose Anstrichteile müssen unbedingt entfernt werden. Hirnholzflächen und Fugen sollen nach Möglichkeit abgedichtet werden. Auf gewachsten Holzflächen soll nicht mit Wasserlack gestrichen, sondern neuerlich ein Anstrichmittel auf Wachsbasis verwendet werden! Da Wasserlack die Fasern „aufstellt“, ist nach dem ersten Anstrich ein Zwischenschliff erforderlich.
Metallische Untergründe müssen je nach Zustand wie folgt vorbehandelt werden: Blankes neues Metall muss von eventuellen Fett- und Ölresten (oft aus Transportgründen vorhanden) gründlich befreit werden. Je nach Herstellerhinweis für Zink, Aluminium, Eisen, Stahl usw. ist eine entsprechende Grundierung zu verwenden. Bei rostigem (oxidiertem) Metall sind alle losen Rostteile gründlich zu entfernen und eventuell zu schleifen. Bei so genannten Rostumwandlern Herstellerhinweise beachten! Bei Altanstrichen auf Metall lose (abgeblätterte) Anstrichteile gründlich entfernen und bei Bedarf oder nach Herstellerangabe schleifen.
Kunststoffe sind mit Wasserlacken nur bedingt (Herstellerangabe beachten!) zu streichen. Der Lösungsmittelanteil darf beim Beschichten von Kunststoffen wie bei der Metallbeschichtung zwar 15% betragen, doch reicht dieser Anteil auch für die meisten High Solid Lacke nicht aus. Ein Ausweichen auf Lacksprays ist überlegenswert. In jedem Fall ist auch hier für Staub-, Fett- und Schmutzfreiheit zu sorgen.

II. Auftragtechnik

Heimwerker verfügen in der Regel über keine Spritzgeräte. Es bleiben also das übliche Streichen und Rollen. In beiden Fällen sollte darauf hingewiesen werden, dass das Auftragen von „Wasserlacken“ einige Übung erfordert, um einen günstigen Verlauf und ansatzlose Übergänge zu erzielen. Ist dies möglich, sollte zuvor auf einem optisch nicht wichtigen Teil probegestrichen werden.
Wasserlacke erfordern eine höhere Schichtstärke als konventionelle Lösungsmittellacke. Der Auftrag muss daher satter und möglichst in einem Zug erfolgen. Der Kunde sollte auch darauf hingewiesen werden, dass Hochglanz wie bei konventionellen Lösungsmittellacken nicht zur Gänze zu erzielen ist.
Da die meisten Kunden die Verwendung von wasserverdünnbaren Anstrichmitteln von den Dispersionen her kennen, sind größere Schwierigkeiten nicht zu erwarten. Zu beachten ist jedoch, dass bei Dispersionen gründlich vom Boden her durchgemischt werden muss, um eine gleichmäßige Konsistenz des Lackes zu erreichen. Ein Umrühren mit einem Hölzchen oder Schraubenzieher genügt nicht: besser einen Kochlöffel verwenden und vom Boden nach oben aufrühren. Die Verwendung eines langsam laufenden elektrischen Quirls (Aufsatz auf Bohrmaschinen) ist ratsam, bei hohen Geschwindigkeiten können die großen Kunststoffmoleküle zerstört werden.

III. Richtiges Werkzeug

Es ist klar, dass wasserverdünnbare Anstrichmittel rostfreies Werkzeug (Pinselmanschetten, Rollerteile) verlangen. Bei Spritzgeräten sind entsprechende Düsen (die auch einen größeren Querschnitt haben) zu verwenden.
Spezielle Kunststoffpinsel (mit höher gespleißten Borsten, um mehr Anstrichmittel aufnehmen zu können) und spezielle Kunststoffroller werden von allen Zubehörlieferanten angeboten.

IV. Warnhinweise für den Kunden

Die folgenden Hinweise sollten jedem Verwender von wasserverdünnbaren Anstrichmitteln gegeben werden. Sie sind im Wesentlichen auch in einem Folder enthalten, der vom Umweltministerium anlässlich des Inkrafttretens der LMVO produziert und dem Farbenfachhandel über die Landesgremien zur Verfügung gestellt wird.

Luftfeuchtigkeit, Sonne und Temperatur
Wasserverdünnbare Produkte sollen nur bei Temperaturen von +5 bis +10°C bis maximal +25 bis +30°C verarbeitet werden. Das schränkt die Verwendung auf offenen Baustellen, im Freien und in Gebirgslagen ein. Zu beachten ist weiters, dass dies auch für die „Objekttemperatur“ gilt: sind z.B. Balkongeländer während der Nacht stark ausgekühlt, so genügt es nicht, dass die Luft sich inzwischen auf +5 bis +10°C erwärmt hat.
Die relative Luftfeuchtigkeit sollte weniger als 80% betragen. Bei höherer Luftfeuchtigkeit und Nebel trocknen wasserverdünnbare Anstrichmittel zu langsam bzw. überhaupt nicht. Als Faustregel gilt, dass man nur dann streichen sollte, wenn man auch Wäsche zum Trocknen aufhängen kann.
Direkte Sonneneinstrahlung auf die zu lackierenden Flächen lässt wasserverdünnbare Anstrichmittel zu schnell trocknen, um gute Oberflächenergebnisse zu erhalten. Während der Trocknungszeit (Herstellerangaben und Wettervorhersage beachten!) darf es nicht regnen.

Schichtstärke und Verlauf
Wasserlacke sollten im Endaufbau eine hohe Trockenschichtstärke aufweisen. Dies erreicht man durch zwei bis drei satte Anstriche, je nach Herstellerangabe, wenn der Untergrund zuvor imprägniert oder grundiert (Holz) bzw. mit einem Primer gegen zu hohe Saugfähigkeit (Beton, Putze, etc.) behandelt wurde. Der Verlauf von Wasserlacken ist weniger gut als bei konventionellen Lösungsmittellacken. Auch die „offene Zeit“ ist kürzer. Es erfordert daher einige Gewöhnung, um mit diesem abweichenden Verhalten wasserverdünnbarer Lacke umgehen zu können. Das richtige Werkzeug (spezielle Pinsel und Roller) erleichtert diese Umstellung. Es sollte geübt werden, möglichst ohne Absetzen in einem Zug satt zu streichen. Bei größeren Flächen sind entsprechende Roller vorzuziehen.

Verblockungsgefahr/Aushärtungszeiten
Da wasserverdünnbare Anstrichmittel thermoplastisch sind, kann es bei höheren Temperaturen und Druck zur „Verblockung“ kommen, wenn Lackfläche auf Lackfläche (wie in Fensterfalzen) zusammengepresst wird. Will man sich nicht mit (weichmacherfreien!) Dichtstreifen als Distanzhalter helfen, ist die Aushärtungszeit, die der Hersteller angibt, strengstens zu beachten. Diese ist nicht mit der „Überarbeitbar-Zeit“ identisch!

Lagerung
Es versteht sich von selbst, dass wasserverdünnbare Anstrichmittel keinem Frost ausgesetzt werden dürfen. Die Lagerung in Gartenhütten im Winter ist daher nicht möglich. Beim Einkauf bei Minustemperaturen sollte der Transport nicht im Kofferraum, sondern im Wageninneren erfolgen.
In gut verschlossenen Gebinden bleiben wasserverdünnbare Anstrichmittel in der Regel ein bis zwei Jahre verwendbar. Von der Herstellerangabe sollte jedoch die Zeit, die das Produkt im Geschäft gelagert wurde, abgezogen werden.

Gesundheitshinweise
Wasserverdünnbare Anstrichmittel können über Haut und Lunge auf genommen werden. Sie können aus Gründen der Verhinderung von Algenbildung geringere Mengen von bioziden Wirkstoffen enthalten. Deshalb ist beim Spritzen unbedingt ein Mundschutz zu tragen. Darauf wird wegen des fehlenden Geruchs leider immer wieder vergessen! Die R- und S-Sätze sind selbstverständlich zu beachten.

Werkzeugreinigung
Pinsel, Roller und Abrolltassen dürfen nicht so gereinigt werden, dass das Waschwasser ins Kanalnetz gelangt. Empfohlen wird, das Waschwasser in einem flachen Gefäß, das man immer wieder für diesen Zweck einsetzen kann, verdunsten zu lassen. Die eingetrockneten Farbreste lösen sich bei der nächsten Verwendung nicht, bzw. können, wenn ihre Schichtstärke zu groß geworden ist, entfernt und entsorgt werden.

Entsorgung von Restanstrichmitteln
Pinselreine Gebinde – das sind solche, aus denen, wenn man sie offen umstülpt, nichts mehr herausrinnt – können den normalen Metall- bzw. Kunststoffsammelbehältern zugeführt werden.
Flüssige Wasserlack- und Dispersionsreste müssen bei den Problemstoffsammelstellen entsorgt werden.

Entfernung von Altanstrichen auf Wasserbasis
Wasserlacke sind nicht durch Abbrennen oder Heißluftbehandlung zu entfernen. Abbeizen bleibt daher die einzige Möglichkeit, jedoch kann man sich bei gut haftenden Anstrichen durch Anschleifen das Abschleifen ersparen.